Die Studie „Männlichkeit im Wandel“ der Universität Zürich und des Dachverbands männer.ch hat mehr als 6.100 Menschen zwischen 18 und 64 Jahren zu ihren Vorstellungen von Männlichkeit, Partnerschaft, Familie und Gewalt befragt. Ziel war es herauszufinden, wie verbreitet traditionelle und dominante Männerbilder sind und welche Auswirkungen sie haben können.
Die Forschenden fassen problematische Einstellungen unter dem Begriff „Faktor M“ zusammen. Dazu gehören unter anderem die Zustimmung zu Gewalt, starre Rollenbilder, die Abwertung von Frauen und sexuellen Minderheiten sowie die Ablehnung von Gleichstellung.
Besonders hohe Werte fanden sich bei Männern zwischen 18 und 24 Jahren. Rund jeder dritte junge Mann gehört zur Gruppe mit den höchsten Faktor-M-Werten. Fast jeder Zweite (47,7 Prozent) stimmt der Aussage zu, dass Gewalt manchmal notwendig sei. Ebenso viele glauben, dass „richtige Männer“ heute gesellschaftlich benachteiligt werden.
Die Studie macht deutlich: Es geht nicht um begangene Straftaten, sondern um Einstellungen. Diese gelten jedoch als wichtiger Risikofaktor. Menschen mit hohen Faktor-M-Werten berichten häufiger von Gewalt in Partnerschaften – sowohl als Betroffene als auch als Ausübende. Außerdem befürworten sie häufiger autoritäre Erziehung und halten Gewalt gegenüber Kindern eher für zulässig.
Hohe Faktor-M-Werte treten häufiger bei Männern mit geringerem Bildungsniveau oder schwierigen sozialen Perspektiven auf. Auch Erfahrungen von Ausgrenzung sowie der Einfluss frauenfeindlicher Inhalte in sozialen Medien und der sogenannten „Manosphere“ können problematische Männlichkeitsvorstellungen verstärken. Die Studienautorinnen und -autoren betonen jedoch, dass einzelne Faktoren wie Herkunft oder Religion keine alleinige Ursache darstellen.
Die Forschenden empfehlen, bereits in Schulen sowie in der Jugend- und Väterarbeit über Rollenbilder, Gleichberechtigung und einen respektvollen Umgang miteinander zu sprechen. Jungen sollten erfahren, dass es viele unterschiedliche Wege gibt, Mann zu sein – ohne Dominanz, Gewalt oder die Abwertung anderer.
Quelle: idw – Informationsdienst Wissenschaft