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Digitale Gewalt: Wenn Frauen sich aus dem Netz zurückziehen

Das Internet sollte ein Ort für Austausch, Information und Teilhabe sein. Doch sexualisierte digitale Gewalt führt dazu, dass sich viele Frauen dort zunehmend unsicher fühlen. Manche verzichten auf Fotos, schränken ihre Aktivitäten ein oder ziehen sich ganz aus sozialen Netzwerken zurück.

Repräsentative Befragung zeigt deutliche Auswirkungen

Wie groß die Verunsicherung ist, zeigt die aktuelle Studie „Frauen ziehen sich im Netz zurück“. Die repräsentative Online-Befragung wurde vom Bilendi Institut im Auftrag des Deutschen Frauenrats durchgeführt. Im April und Mai 2026 wurden dafür 1.380 Frauen zwischen 18 und 74 Jahren in Deutschland befragt.

Demnach schränken 67 Prozent der befragten Frauen aus Sorge vor digitaler Gewalt ihr Verhalten im Internet ein. Sie teilen beispielsweise weniger Bilder, verzichten auf bestimmte Online-Aktivitäten oder ziehen sich aus digitalen Räumen zurück. Bei den 18- bis 39-Jährigen liegt der Anteil sogar bei 76 Prozent.

Intime Bilder und Deepfakes als neue Gefahr

Digitale Gewalt hat dabei viele Formen. Dazu gehören unerwünschte sexualisierte Nachrichten, Drohungen, Erpressung sowie die Veröffentlichung intimer Bilder ohne Zustimmung.

Besonders hinzugekommen ist die Gefahr durch sexualisierte Deepfakes. Mithilfe künstlicher Intelligenz können Bilder oder Videos manipuliert oder vollständig künstlich erzeugt werden. Laut der Befragung war bereits etwa jede fünfte Frau zwischen 18 und 39 Jahren mit sexualisierten Deepfake-Darstellungen von sich konfrontiert.

Angst wirkt auch ohne eigene Betroffenheit

Besonders problematisch ist, dass nicht nur Frauen mit eigenen Gewalterfahrungen ihr Verhalten verändern. Bereits die Angst, Opfer werden zu können, führt bei vielen zu mehr Zurückhaltung.

Damit hat digitale Gewalt Auswirkungen, die über den einzelnen Übergriff hinausgehen: Frauen werden weniger sichtbar, beteiligen sich weniger an digitalen Diskussionen und verzichten teilweise auf die Nutzung sozialer Netzwerke.

 

Was Betroffene tun können

Wer Opfer digitaler sexualisierter Gewalt geworden ist, sollte möglichst ruhig und systematisch vorgehen:

  • Beweise sichern: Screenshots, Links, Nutzernamen, Nachrichten und Zeitangaben dokumentieren.
  • Nichts vorschnell löschen, bevor wichtige Beweise gesichert sind.
  • Inhalte beim jeweiligen Anbieter melden und deren Löschung verlangen.
  • Accounts und persönliche Daten schützen: Passwörter ändern und Zwei-Faktor-Authentifizierung aktivieren.
  • Bei Drohungen, Erpressung oder der Verbreitung intimer Aufnahmen Anzeige bei der Polizei erstatten.
  • Keine weiteren Forderungen erfüllen, wenn mit der Veröffentlichung von Bildern gedroht wird.
  • Sich Unterstützung holen und mit der Situation nicht allein bleiben.

Der WEISSE RING unterstützt Opfer von Straftaten unabhängig davon, ob der Täter bekannt ist oder aus welchem Motiv er gehandelt hat. Das Opfer-Telefon ist bundesweit unter 116 006 erreichbar. Die Beratung ist kostenlos und anonym.

 

Quelle: BR24

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