Eine Umfrage von Norddeutscher Rundfunk (#NDRfragt) zeigt deutliche Informationslücken bei Unterstützungsangeboten für Kriminalitätsopfer. Mehr als die Hälfte der Befragten kennt außer der Polizei keine weitere Anlaufstelle. Über 90 Prozent halten die bestehenden Hilfsangebote für zu wenig sichtbar, ein großer Teil wünscht sich zudem mehr politische Aufmerksamkeit für das Thema.
Viele Teilnehmende geben an, nicht zu wissen, wo sie im Falle einer Straftat psychosoziale, rechtliche oder praktische Unterstützung erhalten können. Fast jede zweite Person sieht mangelndes Wissen über Angebote als wesentliche Hürde. Entsprechend niedrig ist die tatsächliche Nutzung: Nur ein kleiner Teil der Betroffenen, Angehörigen oder Zeug*innen nimmt nach einer Straftat professionelle Hilfe in Anspruch.
Als größte Hemmschwelle gilt die Sorge, nicht ernst genommen zu werden. Rund vier von zehn Befragten nennen diesen Punkt. Besonders häufig äußern Frauen diese Befürchtung. Auch Unsicherheit über eigene Rechte, Angst vor erneuter Konfrontation mit dem Geschehen, eingeschränkte Erreichbarkeit der Stellen sowie Scham- und Schuldgefühle werden als Gründe genannt, Unterstützung nicht in Anspruch zu nehmen.
Im Mittelpunkt steht der Wunsch nach psychosozialer Begleitung. Ebenso wichtig sind rechtliche Beratung und konkrete Unterstützung im Umgang mit Behörden. Zudem sprechen sich viele für spezialisierte Angebote für besonders betroffene Gruppen aus. Insgesamt wird eine stärkere öffentliche Präsenz und Enttabuisierung des Themas gefordert.
Hilfe steht Betroffenen, Angehörigen und Zeugen kostenfrei und vertraulich zur Verfügung.