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Harburg (Kreis)
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Kinder und Jugendliche besser vor sexueller Gewalt schützen

Wachsende Gefahren im Internet

Kinder und Jugendliche sind noch immer nicht ausreichend vor sexueller Gewalt geschützt. Darauf weist Kerstin Claus, Unabhängige Bundesbeauftragte gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen, in ihrem ersten umfassenden Bericht hin.

Besonders im Internet nehmen die Gefahren zu. Bereits jeder vierte Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren hat nach Angaben der Missbrauchsbeauftragten Erfahrungen mit Cybergrooming gemacht. Dabei versuchen Täter, Minderjährige online sexuell zu manipulieren. Auch Sextortion, die Erpressung mit intimen Bildern oder Videos, stellt eine erhebliche Gefahr dar. Künstliche Intelligenz verschärft das Problem, indem sich selbst aus harmlosen Fotos täuschend echt wirkende Nacktaufnahmen erstellen lassen.

Die Polizei registrierte 2025 insgesamt 17.126 Fälle sexuellen Kindesmissbrauchs – 772 mehr als im Vorjahr.

Schutzkonzepte verbindlich umsetzen

Die Missbrauchsbeauftragte fordert einen konsequenteren Schutz von Kindern und Jugendlichen. Dazu gehören wirksame Gesetze gegen sexuelle Gewalt im digitalen Raum, leicht erreichbare Beratungsangebote und die konsequente Bekämpfung der Verbreitung von Missbrauchsdarstellungen.

Auch in Schulen bestehen Schutzlücken: Bislang verpflichten nur elf der 16 Bundesländer ihre Schulen zur Einführung von Schutzkonzepten. Einheitliche Standards, geschulte Ansprechpartner und klare Verfahren bei Verdachtsfällen sind deshalb dringend erforderlich. Darüber hinaus müssen Kinder und Jugendliche lernen, digitale Gefahren zu erkennen und sich Hilfe zu holen.

Betroffene brauchen Unterstützung

Sexuelle Gewalt kann Betroffene langfristig belasten. Sie benötigen verlässliche Ansprechpartner, geeignete Beratungsangebote und unbürokratische Unterstützung. Insbesondere Menschen, die in ihrer Kindheit innerhalb der Familie Missbrauch erlebt haben, erhalten nach Einschätzung der Aufarbeitungskommission häufig nicht ausreichend Hilfe.

Der WEISSE RING setzt sich dafür ein, dass Betroffene ernst genommen werden und mit ihren Erfahrungen nicht allein bleiben.

 

Prävention: Gefahren erkennen und Hilfe ermöglichen

  • Aufklären: Kinder und Jugendliche altersgerecht über sexuelle Grenzverletzungen, Cybergrooming und Sextortion informieren.
  • Vertrauen schaffen: Vermitteln, dass sie sich jederzeit an eine Vertrauensperson wenden können – ohne Angst vor Vorwürfen.
  • Warnsignale ernst nehmen: Misstrauisch werden, wenn Fremde Geheimhaltung verlangen, intime Bilder fordern oder mit deren Veröffentlichung drohen.
  • Privatsphäre schützen: Persönliche Daten und intime Aufnahmen nicht leichtfertig weitergeben.
  • Bei Erpressung Hilfe holen: Nicht zahlen, keine weiteren Bilder versenden, Beweise sichern und die Polizei einschalten.
  • Schutzkonzepte umsetzen: Schulen, Kitas und Vereine benötigen klare Regeln, geschulte Ansprechpartner und sichere Beschwerdewege.

Wichtig: Die Schuld liegt immer beim Täter, niemals beim betroffenen Kind oder Jugendlichen.

 

Hilfe für Betroffene

Der WEISSE RING unterstützt Opfer von Kriminalität und ihre Angehörigen. Das bundesweite Opfer-Telefon ist unter 116 006 kostenfrei erreichbar. Weitere Informationen und Online-Beratung gibt es unter www.weisser-ring.de.

Quelle: Ärzteblatt

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