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Psychoterror im Alltag: Wenn Ausgrenzung zur Straftat wird

Systematische Angriffe statt normaler Konflikte

Mobbing beschreibt kein einmaliges Fehlverhalten, sondern wiederholte, gezielte Schikanen über einen längeren Zeitraum. Dazu gehören beispielsweise Beleidigungen, Gerüchte, soziale Ausgrenzung oder öffentliche Bloßstellung – sowohl im persönlichen Umfeld als auch am Arbeitsplatz oder im Internet. Ziel ist es, die betroffene Person herabzuwürdigen und psychisch zu belasten. Offene Angriffe sind ebenso möglich wie verdeckte Intrigen, die häufig schwer nachweisbar sind.

Mögliche Straftatbestände im Zusammenhang mit Mobbing

Mobbing ist kein eigener Straftatbestand, kann jedoch verschiedene Straftaten erfüllen, insbesondere wenn Grenzen überschritten werden. Dazu zählen unter anderem:

  • Beleidigung (§ 185 StGB) – durch abwertende oder ehrverletzende Äußerungen
  • Üble Nachrede (§ 186 StGB) und Verleumdung (§ 187 StGB) – durch das Verbreiten falscher Tatsachen
  • Nachstellung (§ 238 StGB) – etwa durch wiederholte Belästigung oder Überwachung
  • Bedrohung (§ 241 StGB) – durch das Androhen von Gewalt oder anderen schweren Nachteilen
  • Nötigung (§ 240 StGB) – durch Druck oder Zwang zu bestimmten Handlungen
  • Körperverletzung (§ 223 StGB) – auch psychische Gesundheitsschäden können relevant sein
  • Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs (§ 201a StGB) – etwa durch das Veröffentlichen von Fotos ohne Einwilligung (Cybermobbing)

Je nach Einzelfall können arbeitsrechtliche oder schulrechtliche Konsequenzen hinzukommen.

Schwere Folgen für Körper und Psyche

Anhaltendes Mobbing kann erheblichen Leidensdruck verursachen. Häufige Folgen sind Angstzustände, Depressionen, Schlafstörungen, psychosomatische Beschwerden und sozialer Rückzug. Auch körperliche Symptome wie Kopf- oder Magenschmerzen können auftreten. In schweren Fällen kann die Belastung zu dauerhaften Erkrankungen oder suizidalen Gedanken führen.

Warum Mobbing entsteht und wer besonders gefährdet ist

Mobbing entsteht oft durch Gruppendynamik, persönliche Unsicherheiten oder Machtungleichgewichte. Unterschiede im Verhalten, in der Herkunft oder in der Leistungsfähigkeit können Betroffene zur Zielscheibe machen. Gleichzeitig begünstigen fehlendes Eingreifen durch das Umfeld und mangelnde Prävention solche Entwicklungen.

Handlungsmöglichkeiten für Betroffene

Wichtig ist, Mobbing nicht zu verschweigen. Gespräche mit Vertrauenspersonen, Vorgesetzten, Lehrkräften oder Beratungsstellen können helfen, die Situation zu durchbrechen. Das Dokumentieren von Vorfällen – mit Datum, Inhalt und möglichen Zeugen – kann im Ernstfall als Beweis dienen. Bei starken psychischen Belastungen ist professionelle Unterstützung sinnvoll.

 

Präventionshinweise: So kann Mobbing verhindert oder früh gestoppt werden

  • Grenzen klar benennen: Respektloses Verhalten frühzeitig ansprechen
  • Vorfälle dokumentieren: Beweise sichern, z. B. Nachrichten oder Screenshots aufbewahren
  • Unterstützung suchen: Vertrauenspersonen, Beratungsstellen oder Vorgesetzte einbeziehen
  • Nicht wegsehen: Zeugen sollten Vorfälle ernst nehmen und Hilfe anbieten
  • Selbstbewusstsein stärken: Soziale Kontakte und persönliche Ressourcen fördern
  • Regeln und Aufklärung: Klare Verhaltensregeln und Präventionsprogramme in Schulen und Betrieben etablieren
  • Im Notfall Anzeige erstatten: Bei strafrechtlich relevantem Verhalten kann die Polizei eingeschaltet werden

Mobbing ist kein harmloser Konflikt, sondern kann gravierende gesundheitliche und rechtliche Folgen haben. Frühzeitiges Handeln und ein respektvolles Miteinander sind der beste Schutz.

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