Anna (Name geändert), 34 Jahre alt, flüchtete nach einem gewalttätigen Übergriff ihres Partners mit ihrer Tochter in eine Schutzunterkunft. Sie hatte den Mut zu gehen. Doch ihr Einkommen aus einem Teilzeitjob reichte nicht aus, um dauerhaft eine Wohnung und den Lebensunterhalt zu finanzieren. Aus Angst vor finanzieller Not kehrte sie zurück. Ihre Geschichte zeigt: Nicht fehlender Wille, sondern fehlende finanzielle Sicherheit hält viele Frauen in Gewaltbeziehungen.
Der Equal Pay Day am 27. Februar 2026 markiert symbolisch die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern. Frauen verdienen im Durchschnitt deutlich weniger und arbeiten rechnerisch die ersten Wochen des Jahres ohne Bezahlung im Vergleich zu Männern. Diese Einkommensunterschiede haben direkte Folgen – auch für den Gewaltschutz. Wer weniger verdient, ist häufiger finanziell abhängig und hat geringere Möglichkeiten, sich aus Gewalt zu befreien.
Viele Betroffene stehen nach dem Verlassen der Gewaltbeziehung vor erheblichen finanziellen Problemen. Schutzunterkünfte können nur eine Übergangslösung sein. Danach folgen oft unsichere Perspektiven, Sozialleistungsbezug und Existenzängste. Diese Situation erhöht das Risiko, dass Frauen – wie Anna – in die Gewaltbeziehung zurückkehren.
Neben der geringeren Bezahlung übernehmen Frauen noch immer den Großteil der unbezahlten Sorgearbeit. Teilzeit, geringere Einkommen und weniger soziale Absicherung sind häufig die Folge. Dadurch fehlt vielen die wirtschaftliche Grundlage für ein selbstbestimmtes und sicheres Leben.
Faire Bezahlung, existenzsichernde Arbeit und verlässliche Kinderbetreuung stärken die Unabhängigkeit. Wirtschaftliche Eigenständigkeit ermöglicht es Frauen, Gewaltbeziehungen zu verlassen und dauerhaft ein sicheres Leben aufzubauen. Der Equal Pay Day erinnert deshalb nicht nur an Einkommensgerechtigkeit, sondern auch daran, dass Gleichstellung Leben schützen kann.
Niemand muss Gewalt allein bewältigen. Hilfe ist verfügbar, und der Schritt in ein gewaltfreies Leben ist möglich.