Wie arbeitet das Jugendamt, welche Aufgaben übernimmt es und wo liegen die Grenzen seiner Zuständigkeit? Mit diesen Fragen beschäftigten sich 13 Mitarbeiter der WEISSER RING-Außenstelle im Landkreis Harburg bei einer Fortbildung am 27. Oktober 2026. Referent war Herr Schepers vom Jugendamt des Landkreises Harburg.
Im Mittelpunkt standen die Aufgaben des Jugendamtes und die häufigsten Missverständnisse über seine Arbeit. Dabei wurde deutlich, dass das Jugendamt nicht allein über das Wohl von Kindern entscheidet, sondern auch die Kommunikation zwischen Eltern fördern und vermitteln soll.
Ein weit verbreiteter Irrtum ist die Annahme, das Jugendamt könne oder müsse bei getrennten Eltern sämtliche Entscheidungen übernehmen. Tatsächlich kommt es auf die jeweilige Situation und die rechtlichen Voraussetzungen an. Auch ein einzelner Mitarbeiter entscheidet nicht allein über weitreichende Maßnahmen. Vielmehr müssen die Umstände sorgfältig geprüft und die erforderlichen Voraussetzungen bewertet werden.
Ebenso wurde deutlich, dass viele Entscheidungen im Zusammenhang mit Kindern nicht vom Jugendamt, sondern vom Familiengericht getroffen werden. Das Jugendamt nimmt dabei Stellung, bringt seine fachliche Einschätzung ein und begleitet die Verfahren im Rahmen seines gesetzlichen Auftrags.
Eine zentrale Aufgabe besteht darin, zwischen Eltern zu vermitteln und gemeinsam tragfähige Lösungen zu suchen. Dabei gilt es, unterschiedliche Interessen zu berücksichtigen und zugleich das Kindeswohl im Blick zu behalten.
Auch die Grenzen der Jugendhilfe wurden angesprochen: Die Mitarbeiter sind keine Therapeuten und keine Spezialisten für sämtliche Problemlagen. Bei besonderen Fragestellungen kann es daher erforderlich sein, weitere Fachstellen einzubeziehen.
Für die ehrenamtlichen Mitarbeiter des WEISSEN RINGS bot die Fortbildung wichtige Einblicke in die Arbeit des Jugendamtes. Das erworbene Wissen hilft, Zuständigkeiten besser einzuordnen, Betroffene gezielter zu unterstützen und bei Bedarf an geeignete Anlaufstellen zu vermitteln.
Der Austausch unterstrich, wie wichtig eine sachliche Einschätzung komplexer familiärer Situationen und eine gute Zusammenarbeit der beteiligten Institutionen sind – insbesondere dann, wenn Kinder Schutz und Unterstützung benötigen.