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Harburg (Kreis)
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Kein Raum für Gewalt im Zuhause

Häusliche Gewalt geschieht häufig im Verborgenen – dort, wo Menschen sich eigentlich sicher fühlen sollten. Mit einer landesweiten Kampagne wollen Wohnungsunternehmen gemeinsam mit dem Land Niedersachsen das Thema sichtbar machen, Betroffene ermutigen und das Wohnumfeld stärker für Warnsignale sensibilisieren.

Wohnungswirtschaft übernimmt Verantwortung im Quartier

Initiiert wurde die Kampagne vom Verband der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft Niedersachsen Bremen (vdw). Mehrere Mitgliedsunternehmen beteiligen sich an der Aktion, die mit Plakaten, Aushängen, Postkarten und digitalen Inhalten in Wohngebäuden und Quartieren auf häusliche Gewalt aufmerksam macht.

Die Verbandsdirektorin Dr. Susanne Schmitt betonte bei der Vorstellung der Kampagne:„Häusliche Gewalt ist inakzeptabel und darf nicht bagatellisiert werden. Wegsehen ist keine Option.“ Zugleich machte sie deutlich, dass häusliche Gewalt kein Randphänomen sei: Sie komme in allen Wohn- und Lebensformen vor – unabhängig von sozialem Status oder Wohnsituation Ein zentrales Anliegen der Kampagne sei es, Betroffenen zu zeigen, dass es Hilfeangebote gibt, und Nachbarschaften zu ermutigen, bei Auffälligkeiten nicht wegzusehen.

Schulungen für Mitarbeitende als Schlüssel zur Früherkennung

Ein wichtiger Bestandteil der Initiative ist die Sensibilisierung von Mitarbeitenden der Wohnungsunternehmen, insbesondere von Hausmeisterinnen, Hausmeistern und Beschäftigten mit Mieter­kontakt. Sie sollen Anzeichen häuslicher Gewalt besser erkennen und Betroffene gezielt an geeignete Stellen verweisen können. Susanne Wolter vom Landespräventionsrat Niedersachsen stellte klar, dass es sich dabei nicht um klassische Fortbildungen handele: „Die Schulungen dienen der Sensibilisierung – häusliche Gewalt ist mehr als das blaue Auge.“ Neben körperlicher Gewalt würden auch psychische, ökonomische und kontrollierende Gewaltformen thematisiert. Ziel sei eine bessere Vernetzung mit Polizei und Beratungsstellen vor Ort.

Steigende Fallzahlen unterstreichen Handlungsbedarf

Nach Angaben des Niedersächsischen Justizministeriums wurden im Jahr 2024 rund 32.500 Fälle häuslicher Gewalt registriert – ein Anstieg um etwa neun Prozent gegenüber dem Vorjahr. Justiz-Staatssekretär Dr. Thomas Smollich bezeichnete diese Entwicklung als „beunruhigend“, verwies aber zugleich auf eine gestiegene Sensibilität und Anzeigebereitschaft. Die Landesregierung setze daher neben Prävention auch auf rechtspolitische Maßnahmen. Dazu zählten unter anderem:

  • Diskussionen über den Einsatz der elektronischen Fußfessel im Gewaltschutz,
  • Bestrebungen, Strafbarkeitslücken zu schließen,
  • sowie ein stärkerer Fokus auf digitale Gewalt, etwa beim unerlaubten Verbreiten intimer Inhalte.

 

Präventionshinweise: Das ist wichtig

  • Häusliche Gewalt ist keine Privatsache – sie kann jede Person treffen.
  • Bei akuter Gefahr: Notruf 110 wählen.
  • Hilfe ist anonym und kostenfrei über Beratungsstellen und Hilfetelefone möglich.
  • Hinsehen und handeln: Auffällige Situationen nicht ignorieren.
  • Gespräch anbieten: Zuhören kann ein erster Schritt aus der Isolation sein.

Ein sicheres Zuhause ist ein Grundrecht – Prävention beginnt im Wohnumfeld.

 

Weitere Informationen und Materialien finden Sie auf der Kampagnenwebsite: gegen-häusliche-gewalt.de

Quelle: Justizministerium Niedersachsen

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