Die Außenstelle des WEISSER RING im Landkreis Harburg hat im vergangenen Jahr 170 Menschen nach erlebten Straftaten begleitet. Im Vergleich zum Jahr zuvor (162 Fälle) ist damit ein leichter Anstieg zu verzeichnen. Die Zahlen verdeutlichen, dass der Bedarf an professioneller Unterstützung für Betroffene weiterhin hoch bleibt.
Das Durchschnittsalter der unterstützten Personen lag bei 42 Jahren. Die jüngste betroffene Person war 7 Jahre alt, die älteste 94. Besonders stark vertreten war die Altersgruppe zwischen 18 und 49 Jahren.
Ein Großteil der Fälle entfiel auf Körperverletzungs- und Sexualdelikte. Insgesamt 63 Fälle von körperlicher Gewalt sowie 39 Sexualstraftaten machten zusammen rund 60 Prozent aller Unterstützungsleistungen aus.
Von den insgesamt betreuten Personen waren 129 Frauen (76 Prozent) und 41 Männer (24 Prozent). Vor allem bei sexualisierter Gewalt sowie bei Übergriffen im persönlichen Umfeld suchten überwiegend Frauen Unterstützung.
Darüber hinaus spielten Delikte wie Nachstellung, Bedrohung und Nötigung eine wichtige Rolle – häufig im Zusammenhang mit Trennungen. Auch Eigentumsdelikte wie Raub, Diebstahl und Betrug wurden bearbeitet. Auffällig ist dabei, dass insbesondere Betrug und Hasskriminalität zunehmend im digitalen Raum stattfinden.
Im Jahr 2025 betreute die Außenstelle zudem 11 Angehörige von Opfern tödlicher Gewalt. Die Hilfe umfasste stabilisierende Gespräche, die Vermittlung therapeutischer Unterstützung zur Verarbeitung traumatischer Ereignisse sowie die Organisation juristischer Begleitung, etwa im Rahmen von Nebenklagen.
Viele der 63 Fälle von Körperverletzung standen im Zusammenhang mit Gewalt im häuslichen Umfeld. Neben sichtbaren Verletzungen leiden Betroffene häufig unter nachhaltigen psychischen Belastungen wie Angst, Schlafproblemen oder posttraumatischen Symptomen.
Unter den 39 Betroffenen von Sexualdelikten befanden sich auch fünf Minderjährige. Die seelischen Auswirkungen sind oftmals gravierend und langanhaltend. Der WEISSER RING bietet deshalb nicht nur akute Hilfe, sondern begleitet Betroffene auch über einen längeren Zeitraum und arbeitet eng mit spezialisierten Beratungsstellen sowie therapeutischen Einrichtungen zusammen.
Zur direkten Unterstützung stellte die Außenstelle im Jahr 2025 mehr als 32.000 Euro bereit. Diese Mittel wurden unter anderem für anwaltliche Erstgespräche, psychotraumatologische Hilfen sowie finanzielle Soforthilfen in akuten Notlagen eingesetzt. „Unser Anliegen ist es, Betroffene schnell, individuell und ohne bürokratische Hürden zu unterstützen – sowohl emotional als auch ganz praktisch. Straftaten hinterlassen oft tiefe Spuren. In dieser schwierigen Zeit lassen wir die Menschen nicht allein“, so Vera Theelen, Leiterin der Außenstelle im Landkreis Harburg
Durch die enge Zusammenarbeit mit regionalen Partnern kann Hilfe zielgerichtet und zeitnah organisiert werden. Ergänzend dazu wurden in Kooperation mit dem TSV Buchholz 08 Kurse zur Selbstbehauptung und Zivilcourage angeboten. Ziel ist es, das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung zu stärken und für Gefahrensituationen zu sensibilisieren.
Aktuell engagieren sich 17 Ehrenamtliche in der Außenstelle für Opfer von Straftaten. Besonders positiv ist die steigende Bereitschaft zur Mitarbeit: Fünf Frauen und ein Mann befinden sich derzeit in der Einarbeitungsphase. Auffällig ist dabei das vergleichsweise junge Alter – vier der Interessierten sind unter 30 Jahre alt. Dieses Engagement ist für die Zukunft der Opferhilfe von großer Bedeutung. Junge Ehrenamtliche bringen neue Perspektiven ein und ermöglichen es, auch jüngeren Betroffenen Ansprechpartner auf Augenhöhe zu bieten. So wird die Arbeit langfristig gesichert und weiterentwickelt.
Die Auswertung für 2025 macht deutlich, dass Gewalt und Missbrauch weiterhin zentrale gesellschaftliche Themen bleiben. Der WEISSE RING im Landkreis Harburg wird auch künftig daran arbeiten, Betroffenen Halt, Orientierung und neue Perspektiven zu geben.
Hinweis:
Die Außenstelle unterstützt alle Opfer von Straftaten, die zum Zeitpunkt der Kontaktaufnahme im Landkreis Harburg leben. Die dargestellten Fallzahlen erlauben keine direkten Rückschlüsse auf die allgemeine Kriminalitätsentwicklung in der Region.