Eine neue Freundschaftsanfrage, nette Nachrichten oder gemeinsame Interessen beim Online-Spielen: Für Kinder und Jugendliche gehört Kommunikation im Internet zum Alltag. Doch hinter einem scheinbar harmlosen Kontakt kann sich eine gefährliche Absicht verbergen.
Erwachsene versuchen gezielt, das Vertrauen von Minderjährigen zu gewinnen, um sexuelle Kontakte anzubahnen. Dieses sogenannte Cybergrooming kann schrittweise erfolgen und für Kinder zunächst schwer erkennbar sein.
Eine Studie der Landesanstalt für Medien (NRW), bei der mehr als 2.000 Kindern und Jugendlichen im Alter von acht bis 17 Jahren befragt wurden, zeigt, wie groß das Problem ist: 19 Prozent der Befragten gaben an, bereits Erfahrungen mit Cybergrooming gemacht zu haben.
Die Täter gehen häufig schrittweise vor. Aus einem zunächst freundlichen Gespräch können persönliche Fragen, Aufforderungen zum Austausch von Bildern oder Vorschläge für ein Treffen werden. Teilweise werden Geschenke oder andere Versprechungen eingesetzt.
Besonders belastend kann es werden, wenn bereits erhaltene Bilder anschließend als Druckmittel verwendet werden. Drohungen oder die Ankündigung, intime Aufnahmen zu veröffentlichen, können bei Betroffenen Angst und Scham auslösen.
Für Kinder und Jugendliche ist es in solchen Situationen oft schwierig, richtig zu reagieren. Manche ziehen sich zurück oder verschweigen das Erlebte aus Angst vor Ärger oder davor, nicht ernst genommen zu werden.
Umso wichtiger ist es, dass Kinder wissen: Sie können sich jederzeit Hilfe holen.
Eltern und andere Vertrauenspersonen sollten aufmerksam zuhören und Vorwürfe vermeiden. Ein Kind, das auf einen solchen Kontakt eingegangen ist oder Bilder verschickt hat, trägt nicht die Verantwortung für das Verhalten des Erwachsenen.
Auch Schulen können einen wichtigen Beitrag leisten. Kinder und Jugendliche sollten wissen, wie sie verdächtige Kontakte erkennen, blockieren und melden können – und an wen sie sich wenden können, wenn bereits etwas passiert ist.
Betroffene sollten problematische Kontakte möglichst nicht auf eigene Faust weiterführen. Nachrichten, Profile, Bilder oder andere Beweise sollten – soweit möglich – gesichert werden. Der Kontakt kann anschließend blockiert und der Vorgang der jeweiligen Plattform gemeldet werden.
Bei einem konkreten Verdacht auf eine Straftat kommt auch eine Anzeige bei der Polizei infrage.
Wichtig ist vor allem: Betroffene müssen mit dem Erlebten nicht allein bleiben.
Der WEISSE RING unterstützt Menschen, die Opfer einer Straftat geworden sind, und auch deren Angehörige. Die Hilfe kann unter anderem persönliche Gespräche, Unterstützung bei der Orientierung nach der Tat, Begleitung zu Behörden oder zur Polizei sowie weitere Hilfsangebote umfassen.
Hilfe zu suchen ist kein Zeichen von Schwäche. Gerade nach einer sexuellen Grenzverletzung oder einer anderen Straftat kann es wichtig sein, jemanden an der Seite zu haben, der zuhört, unterstützt und gemeinsam mit dem Betroffenen die nächsten Schritte überlegt.